Zirkuspädagogik

Zirkus, im pädagogischen Sinn, ist eine ganzheitliche,  nicht leistungsorientierte Bewegungskunst, die für die motorische und kognitive Entwicklung des Kindes von zentraler Bedeutung ist. Besonders das Grundschulalter ist die zeitlich limitierte sensitive Phase, innerhalb derer besonders das Nervensystem zur vollen Ausreifung gelangt, Grundlage für die späteren motorischen und geistigen Fähigkeiten. Dies geschieht vor allem durch möglichst vielseitige Bewegungsreize. Das Erlernen und Erproben der verschiedenen Zirkusdisziplinen wie Jonglage, Einrad, Kugellauf und Akrobatik fördern nicht nur die Koordination, das Gleichgewicht, die Reaktion, die Konzentration und die Verbesserung der Stütz- und Haltekraft, sondern auch eine Vielzahl von sozialen und psychologischen Kompetenzen, wie Gruppenfähigkeit und Selbstvertrauen. Zudem werden, durch eine von den Kindern selbst erarbeitete Zirkusvorstellung am Ende eines Kurses, Rhythmusgefühl und Kreativität angeregt.

Bei Jugendlichen spielen die zirzensischen Disziplinen, vor allem in der Suchtprävention eine zentrale Rolle. Konsum jeglicher Art ist meist eine Ersatzhandlung, die Einsamkeit, Langeweile, mangelnde Ich-Stärke und fehlende Anerkennung kompensieren soll. Zirkus bietet ihnen dabei den Rahmen, innerhalb dessen sie diesen Defiziten auf unterhaltsame Art und Weise entgegenwirken können.

Schließlich ist Zirkus auch etwas für Erwachsene: Übermäßige Vorsicht, eingefleischte Bewegungsgewohnheiten und routinierter Alltag, führen dazu, dass Körper und Geist des Erwachsenen frühzeitig „einrosten”. Zirkus gibt ihnen die Möglichkeit neue Bewegungserfahrungen und kindliche Freude am Spiel (wieder) zu entdecken.

Immer mehr Eltern, Lehrkräfte und Pädagogen erkennen das wertvolle Potential, das in der zirkuspädagogischen Arbeit steckt.

Die wichtigsten Punkte der zirkuspädagogischen Arbeit:

  • Entdeckung eigener körperlicher und motorischer Fähigkeiten
  • Entwicklung von Kraftgefühl und Selbstvertrauen
  • Lust am Lernen und an der eigenen spielerischen Kreativität
  • Konzentrationsverbesserung, Bemühen um Präzision
  • Selbstdisziplin, Fleiß, Beharrlichkeit, Ausdauer und Verlässlichkeit
  • Anstrengungsbereitschaft, Einsatzfreude und Enthusiasmus
  • Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und Fairness
  • Eigenes Tun als Mittel gegen Passivität und Konsumhaltung
  • Stillen des Erlebnishungers und der Abenteuerlust